Vor 87 Jahren, am 1. September 1939, überfiel das faschistische Deutschland Polen und eröffnete damit einen imperialistischen Eroberungs- und Vernichtungskrieg, der Millionen Menschen das Leben kostete und die deutsche Vorherrschaft über Europa durchsetzen sollte. Ausgerechnet zum 100. Jahrestag im Jahr 2039 könnte Deutschland erneut über die stärkste konventionelle Armee Europas verfügen.
Was ist von der viel beschworenen deutschen Erinnerungskultur geblieben, wenn militärische Stärke wieder als notwendige Zukunftsperspektive propagiert wird?
Offenbar braucht es genau 100 Jahre, bis Deutschland wieder dort anknüpfen kann, wo es 1939 begonnen hat.
Der deutsche Überfall auf Polen
Anlässlich des 87. Jahrestags wollen wir mit einem Vortrag der Gruppe Postkom an den deutschen Überfalls auf Polen am 1. September 1939 erinnern. Dieser markierte den Beginn des Zweiten Weltkriegs in Europa und war der Auftakt zu einem beispiellosen deutschen Besatzungs-, Vernichtungs- und Raubkrieg. Millionen Menschen wurden Opfer der deutschen Besatzungsherrschaft, von Massenerschießungen, Deportationen, Zwangsarbeit und systematischer Vernichtung.
Die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik
Doch mit der Niederlage des faschistischen Deutschlands war die Geschichte deutscher Militärmacht keineswegs beendet. Bereits wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurde unter den Bedingungen des Kalten Krieges mit dem NATO-Beitritt 1955 und der Wiedereinführung der Wehrpflicht 1956 die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik vorangetrieben. Mithilfe zahlreicher Alt-Nazis wurde die militärische Macht wiederaufgebaut und in die politischen und ökonomischen Interessen Westdeutschlands eingebunden.
Gewerkschaftlicher Widerstand
Gleichzeitig entwickelte sich als Antwort auf den neuen deutschen Militarismus eine starke antimilitaristische und friedenspolitische Position in den Gewerkschaften. 1955 rief der DGB zum Widerstand gegen den NATO-Beitritt der Bundesrepublik auf, und auch die Wiedereinführung der Wehrpflicht 1956 war für viele Gewerkschafter*innen ein alarmierendes Zeichen für eine neue deutsche Aufrüstung. Mit der Einführung des Antikriegstages im Jahr 1957 machten sie eine klare antimilitaristische Haltung zu einem festen strategischen Bestandteil ihrer politischen Arbeit in den DGB-Gewerkschaften.
Erinnern, widersprechen, Frieden erkämpfen
Im Mittelpunkt standen das Gedenken an die Opfer und die Schrecken des Zweiten Weltkriegs sowie die Mahnung, dass insbesondere Arbeiter:innen die Hauptlast von Krieg, Zerstörung und Wiederaufbau tragen mussten. Während die Verwüstungen mit Millionen Toten noch nicht lange zurücklagen, drohte bereits die Gefahr der nuklearen Vernichtung im Kalten Krieg.
Vor dem aktuellen Hintergrund von Aufrüstung, dem Aufbau von Kriegsproduktion und der Debatte über die Wiedereinführung der Wehrpflicht möchten wir mit euch darüber diskutieren, was von dieser antimilitaristischen Position in den Gewerkschaften geblieben ist.
Wir laden euch ein, gemeinsam mit uns an den deutschen Überfall auf Polen zu erinnern, der Entstehung des Antikriegstages nachzugehen und zu seinem 70. Jahrestag eine grundlegende Erkentnis und politische Haltung organisierter Arbeiter*innen der Nachkriegszeit wieder ins Bewusstsein zu rufen: Nie wieder kriegstüchtig!
Damals wie heute liegt an uns, diese Haltung in die gewerkschaftlichen Gremien und in die Betriebe zu tragen und dort gemeinsam für eine klare antimilitaristische und friedenspolitische Position einzustehen.
Vortrag | 04.09.2026 | 18:00 Uhr
Nie wieder kriegstüchtig! – Der deutsche Überfall auf Polen 1939 und die Geschichte des Antikriegstages
Kiezhaus Agnes Reinhold
Afrikanische Str. 74, 13351 Berlin
PostKom, ist eine Initiative, die sich mit postsowjetischen Räumen beschäftigt und versucht, diese Perspektiven in linken Debatten in Berlin einzubringen und damit sichtbarer zu machen. Unser Ziel ist ein offener, solidarischer Raum für Diskussionen und Austausch.





