Corona-Krise: Alltagserfahrungen „von unten“

Wir haben bereits viele Mails auf unseren Aufruf zur Einsendung von Alltagsberichten und Erfahrungen von Lohnabhängigen, Migrant*innen und der im Gesundheitssektor Beschäftigten bzw. derjenigen, die gesundheitspolitisch wie gesellschaftlich ausgegrenzt werden, erhalten. Wir erzählen, was passiert und machen Druck von unten! Es geht darum die Krise des Hilfe- und Gesundheitssystem vor allem aus Perspektive von Lohnabhängigen und pflegenden Menschen zu erzählen und daraus politische Forderungen zu artikulieren:

Report #1 (18.03.2020)

„Solidarität oder Barbarei. (…) Aber vor allem müssen wir verhindern, dass diese Krise von den Mächtigen und den ewig Gestrigen dazu genutzt wird, unser Leben und unsere Gesellschaft noch tiefer ins Verderben zu stürzen!“

W. ist 70 Jahre alt und wohnt in Neukölln. Er arbeitet als selbstständiger Softwareentwickler.

Report #2 (19.03.2020)

„(…)denn es sind die Besitzlosen, Armen und Alten, die prekär Beschäftigten auf deren Rücken sich die Krise noch lange nach den Notmaßnahmen entfalten wird.“

M. arbeitet als Lehrer an einer Schule im Wedding

Report #3 (20.03.2020)

„Die Eindämmung rechter und faschistischer Kräfte wird auch davon abhängen, inwieweit die Parteipolitik Lehren aus dem konsequenten Versagen „marktorientierter Gesundheitspolitik“ ziehen wird.“

M., 35 Jahre alt, arbeitet in der Sozialen Arbeit in Ost-Berlin

Report #4 (21.03.2020)

„Natürlich weiß ich, wie wichtig es ist, die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Es ist richtig Dreharbeiten abzusagen. Aber gleichzeitig weiß ich, dass wir in einem System leben, in dem künstlerische Arbeit ohnehin schon sehr gering geschätzt und schlecht bezahlt wird.“

A. (29) lebt seit mehreren Jahren in Berlin. Sie arbeitet als Kamerafrau und Beleuchterin.

Report #5 (22.03.2020)

„Das Problem ist, dass unser ohnehin schon am Limit funktionierendes Gesundheitssystem kollabiert, wenn plötzlich viele auf einmal erkranken.“

S. (27) arbeitet in Baden-Württemberg als Pfleger. Derzeit befindet er sich in häuslicher Quarantäne.

Report #6 (23.03.2020)

„In diesen menschenunwürdigen Gebäuden wohnen entweder Familien, oder alleinstehende Menschen größtenteils auf kleinstem Raum; Einzelräume für kranke Personen sind sehr selten.“

R.(35) arbeitet als Sozialarbeiter in Berliner Asylunterkünften

Report #7 (24.03.2020)

„Arbeit sollte endlich wieder daran gemessen werden, ob sie sozialen Sinn macht (nicht am Profit)“

A. ist 52 Jahre alt und in Berlin als Taxifahrer angestellt

Report #8 (25.03.2020)

„Der Geschäftsführer des Betriebs sieht kein Problem. Er sagt, die Arbeit könne normal weitergehen und der Vorfall hätte keine Auswirkungen auf die anderen Arbeiter*innen.“

K. ist 29 Jahre alt und kommt aus Sachsen

Report #9 (25.03.2020)

„Digitalangebote der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender gehen an dieser Familie vorbei. Sie ist isoliert. Physisch, bedingt durch Corona, inhaltlich schon immer. Sozial sowieso.“

S. ist 30 Jahre alt und arbeitet als Journalistin in Chemnitz

Report #10 (26.03.2020)

„Wir sind sowieso abgeschnitten und haben strengere Regeln. Eine Quarantäne oder gar die Schließung der Klinik, mangels Personals, sind meine größten Befürchtungen.“

D. ist 33 Jahre alt und macht derzeit eine Suchttherapie

Report #11 (27.03.2020)

„Wir möchten nicht üben für etwas, das uns das Recht auf freie Berufswahl nimmt. Wir möchten auch nicht dafür üben, von Sozialleistungen zu leben.“

Die drei Verfasserinnen G., A. und P. arbeiteten bis zum Arbeitsverbot wegen Corona in Bdsm-Studios

Weitere Berichte werden in den kommenden Tagen veröffentlicht.
Hierfür haben wir eine eigene Sektion auf unserer Seite erstellt:

Sendet uns eure Geschichten! Schon eine halbe Seite ist ausreichend! Ob aus der Pflege, der Sozialen Arbeit, anderen Bereichen und Sektoren oder eure alltäglichen und persönlichen Eindrücke: wir erzählen, was passiert und machen Druck von unten!